Geschichtliches

Die Geschichte des Wirtshaus & Weinstube Zum Nachtwächter

Das Baujahr ist 1709, das Holz wurde 1708 geschlagen.

Es war die Pest in Deutschland

Aus Friedrichstadt, Dorotheenstadt, Friedrichswerder, Cölln und Berlin wurde eine Stadt mit 56000 Einwohnern durch König Friedrich der 1. Residenzstadt.

Obertshausen hatte damals 120 Bürger, was ca. 16-19 Familien entsprach und hieß damals Oberdueshusen und war dem kurfürstlichen Amtmann Phillip Erwein von Schönborn, der in Steinheim residierte zehntpflichtig, dieser folgte jedoch den Weisungen seines Bruders, dem allmächtigen Kurfürsten Johann Phillip von Schönborn in Mainz.

Da es zur Zeit des Baus noch keine Grundbücher gab konnte der Bauherr bis jetzt nicht festgestellt werden. Seit 150 Jahren sind jedoch die Besitzer bekannt. Es sind alles noch heute sehr bekannte Namen in Obertshausen.

Eigentümer seit 1834

1834 verkaufte ein Kaspar Winter das Haus an Martin Paul
1840 Kaspar Bauer III
1845 Mathias Krapp
1848 Johannes Ott und Mathias Krapp, hier ist es wohl zum Zweifamilienhaus avanciert
1853 Johann Geißler und Johann Ott III
1856 Johannes Becker III
1859 Leonhard Horch
1861 Martin Becker
1895 Karl Anton und Georg Reis
1902 Leonhard Becker I; er war Nachtwächter von Obertshausen
1960 Margarethe Becker und Katharina Stenzel
1985 Harald Tenschert

Durch die vielen Besitzerwechsel wurde das Haus oft umgebaut. Auf die Statik achtete niemand. Man hat sich nicht gescheut auch tragende Bauteile herauszuschneiden um zum Beispiel größere Fenster einzubauen, oder um Türen zu versetzen. Ursprünglich war das Haus zu 2/3 Wohnhaus und zu 1/3 Stall und Scheune. 1848 hat man dann das Haus geteilt und es hatte 2 Eingänge einen fürs Parterre und einen für den 1. Stock. Da das Haus keinen Keller hat lag die Fundamentschwelle erdgleich auf unbehauenen Feldsteinen. Den Stein des vorderen rechten Eckpfostens wurde aufgehoben und liegt jetzt links vor dem Eingang. Mit weiteren Feldsteinen, die ursprünglich unter der Schwelle lagen, wurde der Brunnen, der bis ca. 1 m unter Niveau abgebrochen war, wieder aufgebaut.

Bedingt durch die Erdfeuchte, ist im Laufe der Zeit die Fundamentschwelle komplett verfault und anschließend die Ständer. Der Giebel stand zur Straßenseite hin 66 cm über und auf der Längsseite hatte sich das Haus um bis zu 45 cm geneigt. Das Haus wurde hydraulisch angehoben und auf ca. 160 Stahlstützen gestellt. Nachdem die Ständer gesund geschnitten waren, wurde ein Fundament betoniert, eine neue Schwelle verlegt und dann das Haus wieder abgelassen. Es wurden insgesamt ca. 15 m abgelagertes Eichenholz neu eingebaut.

Das Haus hat bis heute keinen Riss, obwohl es nur durch 480 gezimmerte Eichennägel zusammengehalten wird. Die Außenwände entsprechen heute genau dem vor 300 Jahren gebauten Haus.

Die letzten Besitzer haben gar nicht gewusst, wie gefährlich sie im Erdgeschoss gelebt haben. Durch das Verfaulen der Schwelle und der Ständer haben sich die Eichenscheite zwischen den Deckenbalken gelöst, die als Unterlage für die Fußbodenbretter dienten. Die Decke ist deshalb nur nicht eingestürzt, weil sie durch unzählige Schichten Putz gehalten wurde. Wäre jemand im 1. Stock mal richtig hoch gesprungen, wäre er durch die Decke gebrochen.

Das Haus, das im fränkischen Fachwerk gebaut ist, weist zwei wesentliche Besonderheiten auf.

1. An seiner Frontseite ist gleichzeitig die Figur des Mannes und die Figur des wilden Mannes gezimmert worden, was selten ist.

2. Und das ist noch ungewöhnlicher für einen Profanbau der damaligen Zeit, das Haus hat einen liegenden Dachstuhl, d.h. die Firstpfette wird durch sogenannte Sprengwerke getragen, die die senkrechte Last auf die Deckenbalken übertragen und nicht durch senkrechte Ständer. Dies ergibt einen völlig freien Dachboden.

So, liebe Gäste, das war ein kurzer Abriss über die Geschichte dieses Hauses. Stoßen wir darauf an, dass es noch weitere 300 Jahre steht.